Digitalisierung beschleunigt die Nachhaltigkeit im Handwerk

Digitalisierung beschleunigt die Nachhaltigkeit im Handwerk

Neben einer unternehmerischen Digitalverantwortung muss sich das Handwerk auch in Sachen Nachhaltigkeit für die Zukunft positionieren. Digitale Technologien eröffnen neue Handlungsspielräume, die ein nachhaltiges Wirtschaften beschleunigen. ‚Digitalisierung als Stütze der Nachhaltigkeit‘ sollte deshalb das Credo jedes Handwerksbetriebes sein. Die folgenden Beispiele zeigen, was das in der Praxis konkret bedeutet.

Warum ist Nachhaltigkeit im Handwerk wichtig?

Ressourcenschonendes Handeln reduziert nicht nur Kosten und optimiert die Ökobilanz eines Handwerksbetriebes, sondern wird auch zum wichtigen Erfolgsfaktor. Denn Kunden legen zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit hinsichtlich Materialien, Produktzyklen und Ressourceneinsatz. Hier können (und sollten!) Unternehmen mit nachhaltigem Handeln punkten. Auch neue gesetzliche Vorgaben im Zuge der Energiewende machen ein Umdenken dringend erforderlich. 

Ein entsprechendes Nachhaltigkeitsmanagement gewinnt dabei auch für Handwerksunternehmen immer mehr an Bedeutung – sowohl im Hinblick auf das Etablieren von neuen Geschäftsmodellen als auch für eine nachhaltige Wertschöpfungskette oder wenn es darum geht, traditionelle Arbeitsprozesse nachhaltiger zu gestalten.

E-Autos – Strom statt Diesel 

Elektrofahrzeuge verursachen, vor allem in Verbindung mit Grünstrom, deutlich weniger CO2. Deshalb ist die Umrüstung des Fuhrparks auf Elektroantrieb (Batterie- oder Wasserstoffantrieb) eine der wichtigsten Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Rahmen der Energiewende. Mit optimierten Reichweiten und besseren Ladeinfrastrukturen werden besonders E-Transporter für das Handwerk zunehmend interessanter. CO2-freundliche Fahrzeuge entlasten nicht nur die Umwelt, sie stellen auch einen nicht zu unterschätzenden Imagegewinn gegenüber den Kunden dar. Aufgrund von flächendeckenden Dieselfahrverboten in den Innenstädten werden sie früher oder später ohnehin für alle Pflicht. Synthetische Kraftstoffe sind teuer und ihre Produktion ist sehr energieintensiv. Sie können eine Alternative werden, allerdings eine kostspielige. 

Schont das Klima: die Cloud

Wussten Sie, dass das Internet so viel CO2 verursacht wie der Flugverkehr? Eine einzige Google-Anfrage erzeugt 0,2 Gramm, eine E-Mail sogar 1,0 Gramm klimaschädliches CO2. 1 Beim Blick auf diese alarmierende CO2-Bilanz ergibt der Umstieg auf die Cloud unbedingt Sinn. Denn wenn jedes Unternehmen tonnenweise Daten auf eigenen Servern lagert, ist das natürlich vor allem hinsichtlich Betrieb, Kühlung und Herstellung der Server deutlich schlechter fürs Klima, als wenn wenige große Cloudserver, die ihre Ressourcen wesentlich effizienter einsetzen können, das Speichern übernehmen. Langfristiges Ziel ist eine klimaneutrale Cloud.

Geschäftsprozesse digital gestalten

Mithilfe digitaler Geschäftsprozesse können Unternehmen ihre Abläufe effizienter, flexibler und ressourcenschonender gestalten, optimal wirtschaften und CO2-Emissionen reduzieren.

Ein papierloser bzw. papierarmer Workflow beispielsweise ist aktiver Umweltschutz und lässt sich optimal sukzessive umsetzen: digitale Bauakten statt tonnenweise ausgedruckter Pläne. Digital erfasste Stunden- und Gerätezettel, Formulare, Abnahmeprotokolle und Bautagebücher, Dateien, auf die jeder Zugriff hat, statt Aktenordner, die immer mehr Platz benötigen, eine bessere Zusammenarbeit im Team durch Datentransparenz und natürlich CO2-Einsparungen bei der Herstellung von Papier und weniger Holzverbrauch. Gerade auch hinsichtlich der Vergabe von Nachhaltigkeitssiegeln ist der Abschied vom Papier eine wichtige Voraussetzung. 

Auch das mobile Arbeiten auf der Baustelle, digitale Bauakten und die mobile Vernetzung von unterschiedlichen Unternehmensbereichen sind wichtige Nachhaltigkeitsmaßnahmen eines Handwerksbetriebes. Eine reibungslose digitale Kommunikation in Echtzeit und vor Ort führt zu besseren Arbeitsergebnissen und erhöht die Zufriedenheit der Mitarbeiter durch mehr Transparenz und komfortablere Nutzung der Anwendungen. 

Zudem können Betriebe durch digitale Lösungen ihren Materialeinsatz genau berechnen, ihn optimieren und Fehlerquoten minimieren. 

Programme zur Nachverfolgung von Materialien entlang der Wertschöpfungskette können dabei unterstützen, die Wiederverwertung eingesetzter Materialien zu kontrollieren. 

Online-Konfiguratoren helfen Handwerksbetrieben, Kosten und Zeit in der Pre-Sale-Phase zu reduzieren, da der Kunde von digitalen Tools profitiert, die ihn seinem Wunschprodukt auch ohne persönliches Gespräch näherbringen.

Energie intelligent managen

Intelligente Steuerung von Heizung, Lüftung und Licht wird sowohl für Unternehmen als auch für den Endverbraucher immer wichtiger. Durch smarte Anwendungen können sowohl in Sachen E-Mobilität als auch für Geräte und Maschinen Lastspitzen erkannt und vermieden werden. Dies ist für Betriebe ein wichtiger Kostenfaktor, da die Berechnung der Nutzungsentgelte unter anderem nach der höchsten bezogenen Leistung innerhalb eines Abrechnungszeitraumes erfolgt. Gleichzeitig leisten Unternehmen damit einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität, die durch die Zunahme von erneuerbaren Energien zu einer wachsenden Herausforderung wird. 

Sensoren sind die Zukunft 

Intelligente Sensortechnologie bietet nicht nur ungeahnte Möglichkeiten, sie stellt auch unter Nachhaltigkeitsaspekten eine wichtige Stellschraube für das Handwerk dar. Sensoren können Gerätezustände und Wartungsfälligkeiten selbst feststellen und beispielsweise Bewegungsabläufe, Füllstände, Luftqualität, Feuchte und Temperaturen an Geräten, Maschinen, Heizungen etc. messen und an den zuständigen Handwerksbetrieb weiterleiten, der dann Reparatur oder Wartung planen und zeitnah durchführen kann. Besonders in den Branchen Sanitär-Heizung Klima, Elektrohandwerk und bei den Dachdeckern wird den Sensoren mittlerweile eine große Relevanz zugesprochen. Unternehmen können nicht nur effizienter, zeitsparender und kostengünstiger arbeiten, sondern auch neue Geschäftsmodelle etablieren. 

Intelligente Assistenzsysteme

Im Hinblick auf soziale Nachhaltigkeit stehen im Handwerk bereits zahlreiche digitale Assistenzsysteme zur Verfügung, die Mitarbeiter bei körperlich anstrengenden oder monotonen Tätigkeiten ergonomisch unterstützen. Exoskelette kontrollieren und schonen Bewegungsabläufe, um Krankheiten am Bewegungsapparat zu verhindern.

VR- und AR-Brillen kommen zunehmend im Handwerk (im Lager, bei der Wartung von Geräten) zum Einsatz, um Mitarbeitern wichtige Zusatzinformationen über die Brille anzuzeigen, wenn diese die Hände frei haben müssen. Gleichzeitig können Datenbrillen Lagerbestände erkennen oder Hilfestellungen geben beim Bedienen von Geräten und Maschinen. Mitarbeiter können effizienter arbeiten, Fehler werden reduziert und gesundheitsschädliche Belastungen reduziert.

New Work kommt

Flexiblere Arbeitszeiten, Desk-Sharing, Homeoffice, mobiles Arbeiten … – die Reduzierung von starren Bürozeiten, festen Arbeitsplätzen und hohen Raumkapazitäten ist ebenfalls einer der wichtigsten Nachhaltigkeitsaspekte eines modernen Betriebes. Weniger CO2-Emissionen, weniger Fahrt- bzw. Reisekosten durch digitale Videokonferenzen, flexiblere Arbeitsmodelle und die Möglichkeit, von unterwegs aus handlungsfähig zu sein, sind für den ökologischen Fußabdruck eines Unternehmens von wachsender Relevanz.

Nachhaltiges Wissensmanagement 

Das Erfassen, Archivieren und Nutzen von digitalen Dokumenten ermöglicht es Unternehmen, wichtiges Wissen an einem Ort zu bündeln und somit ein nachhaltiges Wissensmanagement aufzubauen. Das Wissen über Produkte, Produktion und Kunden lagert also nicht mehr auf verschiedenen Rechnern einzelner Mitarbeiter, sondern an einer zentralen Stelle. Aus diesem Wissenspool können sich alle Mitarbeiter bedienen, aus Erfahrungen lernen und kompetent mit Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern agieren.

Da auch Weiterbildungsmaßnahmen zunehmend digital stattfinden, können Präsenztermine und damit Zeit und CO2 eingespart werden.

Einhaltung regulatorischer Normen

Datenschutz, IT-Sicherheit, Nachhaltigkeits- und Umweltsiegel sicher nachzuweisen, gehört zu den Grundpfeilern eines nachhaltigen modernen Unternehmens. Beispielsweise werden die Aufzeichnung von Geschäftsvorfällen, das Belegwesen, interne Kontrollsysteme und Vorgaben zur Datensicherheit durch die GOBD geregelt. Mit digitalen Anwendungen lassen sich sämtliche gesetzliche Vorgaben und Regularien hinsichtlich Finanzen, Datenschutz etc. zuverlässig einhalten und dokumentieren.

Fazit

Bei der Organisation eines nachhaltigen Handwerksbetriebes ist die eigene Verantwortung gegenüber der Umwelt der größte Antrieb. Nicht zuletzt auch für die Verhandlungen mit Banken und Auftraggebern kommt der Beschäftigung mit der eigenen betrieblichen Nachhaltigkeitssituation zunehmende Bedeutung zu.

Der Nachhaltigkeits-Check unterstützt Handwerksbetriebe bei der nachhaltigen Ausrichtung ihres Betriebes und dem Erstellen eines Nachhaltigkeitsberichtes.

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex unterstützt beim Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie und bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung.

1 Quelle: https://www.zdf.de/nachrichten/heute/klickscham-wie-viel-co2-e-mails-und-streaming-verusachen-100.html

Dazugehörige Links:

Zum Thema Nachhaltigkeit im Handwerk diskutieren Experten und Handwerksunternehmer im „Zukunft Handwerk Talk“:

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